John Kottayil, Indien
Bayern hat seit Mitte der neunziger Jahre ein weltweites Netz von Auslandsrepräsentanzen aufgebaut. In ihren Büros von San Francisco bis Tokio werben Experten unter dem Motto „Invest in Bavaria“ für den Wirtschaftsstandort Bayern. Die über 20 Frauen und Männer vermitteln Kontakte in ihre ferne zweite Heimat, stehen aber auch bayerischen Unternehmen als deutschsprachige Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung.
Ihr Lieblingsort in Bayern?
Da ich meine Studentenzeit in München verbracht habe, habe ich natürlich eine Vorliebe für die Stadt München.
Eine bayerische Figur, die Sie besonders verehren?
Der Märchenkönig Ludwig II. baute die schönsten Schlösser Bayerns und erinnert mich an die ähnlich mächtigen Maharajas von Indien, die ebenfalls prächtige Paläste gebaut haben und am Ende ein bisschen crazy geworden sind. Neben dem jetzigen bayerischen Papst ist der Märchenkönig die populärste Gestalt Bayerns, denke ich.
Welches Argument zieht immer, wenn Sie einen ausländischen Unternehmer für eine Investition in Bayern gewinnen möchten?
„Bavaria is Germanys economic powerhouse“ – so fange ich meistens mein Gespräch mit den indischen Investoren an. Dann werden die bayerischen Global Players wie Audi, BMW, Siemens, MAN, Adidas, Puma oder Linde genannt. Die Präsenz von über tausend internationalen Firmen, die Lebensqualität, die zentrale Lage im Herzen Europas, Sicherheit, die beste Infrastruktur, die Internationalität - das sind überzeugende Argumente.
Gibt es Ihrer Ansicht nach eine besondere bayerische Mentalität?
Es ist ein Land der Gemütlichkeit und Herzlichkeit mit unterschiedlicher regionaler Prägung. Die Heiterkeit der Franken, die Weltoffenheit der Altbayern, die Sparsamkeit und der Fleiß der Schwaben zusammen machen Bayern zu einem ganz besonderen Platz.
Welches Bild haben Ihre Kunden von Bayern?
Die meisten assoziieren Bayern mit Autos, Maschinenbau, Qualität, Oktoberfest, und natürlich auch mit Weißwurst und Weißbier, was ich hier am meisten vermisse . . .
Ihre Ratschläge: Was sollte ein ausländischer Investor unbedingt vermeiden, wenn er in Bayern ist?
Die indischen Geschäftspartner beginnen den Small Talk meistens mit persönlichen Themen wie etwa Fragen nach der Familie. Das ist in Deutschland nicht so üblich. Deswegen rate ich immer, sehr vorsichtig zu sein, da Deutsche sich beispielsweise von Fragen zu ihrer Beziehung oder zur Familienplanung bedrängt fühlen, während gleiches in Indien ganz selbstverständlich ist.
Was sollte er auf jeden Fall tun?
Planung und Pünktlichkeit sind sehr wichtig in Deutschland. In Gesprächen sollte man gut vorbereitet sein und wenn möglich direkt zur Sache kommen. Außerdem soll er unbedingt die bayerischen Leckerchen ausprobieren sowie zwei Worte lernen: Griasgood und Pfiagood!
Welche Besonderheiten wiederum erwarten bayerische Unternehmer in Ihrem Land?
Man muss flexibel sein und darf sich nur nicht verwirren lassen, auch wenn es dafür tausend Gründe und Anlässe gibt. Der Bayer sollte Gelassenheit, Flexibilität und Optimismus mitbringen.
Kennen Sie einen bayerischen Fluch?
Biddschee noamoi – ich schimpfe nicht. Pfui Deifl!
Wissen Sie, was ein Schneiztiache und ein Fuizpantoffe sind?
Taschentuch und ein Pantoffe mit Fuiz, oder?
Fragebogen: Ulrike Heidenreich / Süddeutsche Zeitung

