Christian Weber, Mexiko
Bayern hat seit Mitte der neunziger Jahre ein weltweites Netz von Auslandsrepräsentanzen aufgebaut. In ihren Büros von San Francisco bis Tokio werben Experten unter dem Motto „Invest in Bavaria“ für den Wirtschaftsstandort Bayern. Die über 20 Frauen und Männer vermitteln Kontakte in ihre ferne zweite Heimat, stehen aber auch bayerischen Unternehmen als deutschsprachige Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung.
Ihr Lieblingsort in Bayern?
Ganz Bayern ist zum Verlieben. Wer nur einen Lieblingsort hat, weiß nicht, was ihm entgeht. Meine Heimatstadt Freising möge es mir nachsehen.
Eine bayerische Figur, die Sie besonders verehren?
Die Bavaria, denn sie verkörpert Bayern mit allem Drum und Dran.
Welches Argument zieht immer, wenn Sie einen ausländischen Unternehmer für eine Investition in Bayern gewinnen möchten?
Ich stelle folgende Frage: Kennen Sie eine andere Region in Europa, die zentraler liegt, zugleich erfolgreicher ist und wo man besser leben kann als Bayern?
Gibt es Ihrer Ansicht nach eine besondere bayerische Mentalität?
Ja, trotz aller regionaler Unterschiede haben die Bewohner Bayerns doch einige Wesenszüge gemein: Einen ausgesprochenen Sinn für die eigenen Wurzeln. Große Sympathie für Eigenwilliges und Originelles. Aufgeschlossenheit für Neues. Gehöriger Realitätssinn und Pragmatismus. Gelassenheit, Heiterkeit und Lebensfreude. Einen deutlichen und mitunter sparsamen Kommunikationsstil.
Welches Bild haben Ihre Kunden von Bayern?
Bilder von Bayern haben sie viele im Kopf, sie wissen oft gar nicht, dass es Bilder sind. Da müssen wir für einen Aha-Effekt sorgen. Viele gängige Vorstellungen von Deutschland beruhen auf Bildern aus Bayern.
Ihre Ratschläge: Was sollte ein ausländischer Investor unbedingt vermeiden, wenn er in Bayern ist?
Den Freistaat als deutsche Provinz und seine Bewohner als Provinzler behandeln. Gleich aufgeben, wenn eine Antwort etwas karg oder schroff ausfällt.
Was sollte er auf jeden Fall tun?
Zur Begrüßung ein freundliches Grüß Gott über die Lippen bringen (auch ernstgemeinte Versuche werden anerkannt).
Welche Besonderheiten erwarten bayerische Unternehmer in Ihrem Land?
Mexiko gehört zwar zum lateinamerikanischen Kulturraum, ist aber wirtschaftlich und geographisch ein Teil Nordamerikas. Trotzdem ist Spanisch unerlässlich, wenn man in Mexiko ins Geschäft kommen will. Eines der vielen Beispiele des für Mexiko so typischen „Ja aber nein“ (si pero no). Unkonkret wirkende Aussagen der mexikanischen Gesprächspartner sind nicht Ausdruck von Unentschlossenheit, sondern von höflicher Zurückhaltung.
Kennen Sie einen bayerischen Fluch?
Da hätte ich schon so Manches auf Lager. Weil aber bajuwarische Stoßgebete außerhalb des weiß-blauen Kulturkreises mitunter missverstanden werden, halte ich mich lieber vornehm zurück.
Wissen Sie, was ein Schneiztiache und ein Fuizpantoffe sind?
Ja, freilich. Solche Einheimischentests gibt es nicht nur für den deutschen, sondern auch für den spanischen Sprachraum. Wer keinen mexikanischen Hintergrund hat, wird sich zum Beispiel mit Begriffen wie „huaraches“, „guajolote“ oder „tianguis“ schwer tun.
Fragebogen: Ulrike Heidenreich / Süddeutsche Zeitung

