Thomas Gindele, Österreich
Bayern hat seit Mitte der neunziger Jahre ein weltweites Netz von Auslandsrepräsentanzen aufgebaut. In ihren Büros von San Francisco bis Tokio werben Experten unter dem Motto „Invest in Bavaria“ für den Wirtschaftsstandort Bayern. Die über 20 Frauen und Männer vermitteln Kontakte in ihre ferne zweite Heimat, stehen aber auch bayerischen Unternehmen als deutschsprachige Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung.
Ihr Lieblingsort in Bayern?
Als Region das Allgäu – eine herrliche, liebevolle Landschaft. Die Weitläufigkeit dieser Alpenwelt ist einfach schön. Als Großstädter habe ich aber eine gewisse Affinität zu München. Die Stadt bietet alles, was das Herz begehrt: viel Kultur, Dynamik und Offenheit, aber auch viel Eigentümliches und Traditionelles.
Eine bayerische Figur, die Sie besonders verehren?
Leider ist meine Frau keine Bayerin, womit ich die Frage leicht beantworten könnte.
Bayern hat viele große Söhne und Töchter hervorgebracht. Als Fußballfan muss ich allerdings Gerd Müller erwähnen. Aber, und das finde ich genauso wichtig, Menschen, die nach Bayern kommen, wird die Basis gegeben, um auf diesem Boden ihre Fähigkeiten zu entfalten.
Welches Argument zieht immer, wenn Sie einen ausländischen Unternehmer für eine Investition in Bayern gewinnen möchten?
Audi, BMW, Siemens, Schaeffler, Adidas, Puma – für viele Weltmarktführer ist Bayern die Heimat. Bayern ist aber auch die Heimat von Bier, Silvaner, Weißwurst, Brezel und Oktoberfest. Die Verbindung von Tradition und Innovation wird in Bayern gelebt und vom Ausland geschätzt. Ein enormer Standortvorteil. Man sollte dieses vermeintlich widersprüchliche Image wirklich pflegen.
Gibt es Ihrer Ansicht nach eine besondere bayerische Mentalität?
Aber sicher. Die bayerische Mentalität ist ja unverkennbar. Sie findet sich in der Sprache und dem gesamten Erscheinungsbild eines Bayern wieder.
Die Mentalität der Menschen in Bayern ist von Fleiß, Verantwortung und Verlässlichkeit geprägt.
Darüber ist Bayern keine Ellenbogengesellschaft. Die Eigenschaften der Menschen sind der Garant für den bayerischen Erfolg.
Welches Bild haben Ihre Kunden von Bayern?
Bayern genießt in Österreich einen ausgezeichneten Ruf. Vieles hat man durch die Nähe auch gemeinsam. Hohen Respekt bringt Österreich der Wirtschaftskraft Bayerns entgegen. Vor allem der erfolgreiche Weg Bayerns von einem überwiegenden Agrarland zu einem Hochtechnologiestandort war viele Jahre hinweg Vorbild für Österreich.
Ihre Ratschläge: Was sollte ein ausländischer Investor unbedingt vermeiden, wenn er in Bayern ist?
Er sollte mit einem Bayern nicht unbedingt über Dinge diskutieren, von denen der Bayer mehr versteht. Da fehlt einem Bayern manchmal das nötige Fingerspitzengefühl.
Was sollte er auf jeden Fall tun?
Mit der bayerischen Wirtschaft kann man alles verabreden, vorausgesetzt man ist auf eine faire und verlässliche Partnerschaft ausgerichtet.
Welche Besonderheiten erwarten bayerische Unternehmer in Ihrem Land?
Ein bayerischer Unternehmer kommt bei der Geschäftsanbahnung recht schnell auf den Punkt. Erst nach getaner Arbeit widmet er sich auch mehr dem Menschen. In Österreich ist diese Vorgehensweise eher umgekehrt.
Kennen Sie einen bayerischen Fluch?
Ja Herrschaftszeiten!
Wissen Sie, was ein Schneiztiache und ein Fuizpantoffe sind?
Na klar. Ich komme aus dem westlichen Teil vom Bodensee. Diese Nähe und das Bayerische Fernsehen, welches zum festen Bestandteil meiner Kindheit gehörte, haben mir dabei geholfen, doch einige bayerische Sprachgewohnheiten zu verstehen.
Fragebogen: Ulrike Heidenreich / Süddeutsche Zeitung

