Luft- und Raumfahrt
Der Traum vom Fliegen gehört seit der Antike zu den größten Wünschen der Menschheit und so weckt die Luft- und Raumfahrt auch heute noch große Emotionen. Bei den großen Herausforderungen des Fliegens mussten Luft- und Raumfahrtingenieure immer wieder Machbarkeitsgrenzen ausloten. Das erklärt die für die Luft- und Raumfahrtbranche charakteristische hohe Zahl an Innovationen. Zwischen dem Flug des Ikarus und dem Start der Ariane-Rakete haben wichtige Schritte der Entwicklung in Europa stattgefunden. Die bayerische Luft- und Raumfahrtindustrie ist denn auch ein Technologiemotor mit Strahlkraft weit über die Branchengrenzen hinaus geworden. Zudem weist die Branche - nicht zuletzt wegen des wachsenden Bedarfs an Flugzeugen im Zuge der Globalisierung - nach wie vor ein konstantes Umsatz- und Beschäftigungswachstum auf. Dadurch ist die Luft- und Raumfahrt Garant für hochqualifizierte und interessante Arbeitsplätze am Standort Bayern.
Der Freistaat Bayern gehört weltweit zu den traditionsreichsten und bedeutendsten Luft- und Raumfahrtstandorten – in Industrie wie auch in Forschung.
Die strukturellen Gegebenheiten der Luft- und Raumfahrtbranche in Bayern bilden eine ideale Ausgangsbasis. Bayern beheimatet:
- Wichtige Systemfirmen der Branche
- Zahlreiche innovative Unternehmen der Zulieferindustrie
- Technische Dienstleister
- Hersteller von Spezialmaschinen und -werkzeugen
- International führende Wissenschafts- und Ausbildungseinrichtungen
- Eine herausragende Luftverkehrsinfrastruktur.
Schwerpunkte bilden der Bau von Militärflugzeugen, Flugantrieben, Hubschraubern, Lenkflugkörper und die für diese Systeme notwendigen Subsysteme und Komponenten. Weitere Schwerpunkte sind Strukturen, Antriebe und Betriebs- sowie Missionssysteme für Raumfahrzeuge und Satelliten.Rund 36.000 Ingenieure, Techniker und gewerbliche Fachkräfte der Luft- und Raumfahrt - rund ein Drittel der bundesweit in dieser Branche Beschäftigten - sind am Standort Bayern tätig. Sie erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von rund 7,3 Mrd. Euro. Einschließlich der Beschäftigten der Luftverkehrsbranche zählt die Industrie sogar weit mehr als 60.000 Angestellte. Die Hochschulen tragen mit ihrer Forschung und Ausbildung zum steten Zufluss an hoch qualifizierten Fachkräften bei. Allein in München absolvieren an der Technischen Universität, der Hochschule und der Universität der Bundeswehr jährlich mehrere Hundert Ingenieure erfolgreich ihr Studium. Das ist von besonderer Bedeutung für eine Branche, deren Akademiker-Anteil sich bayernweit etwa auf 60 Prozent beläuft.
International bekannte Unternehmen der Luftfahrtindustrie wie der EADS Konzern mit seinen Töchtern Astrium, Cassidian, Eurocopter oder MBDA, MTU Aero Engines oder RUAG haben ihren Sitz in Bayern. Im Freistaat sind aber auch bedeutende Mittelständler wie der Analyse- und Testdienstleister IABG, Liebherr Aerospace, Diehl, Kayser-Threde, MT Aerospace und Grob Aerospace vertreten.
Bayern ist der führende Standort für Militärflugzeuge. Die Endmontage des Eurofighter erfolgt bei Cassidian in Manching bei Ingolstadt; wichtige Komponenten wie die Rumpfmittelstruktur werden in Augsburg gefertigt. Die Militärhubschrauber NH 90 und Tiger sind ebenso bayerische Produkte wie der zivile EC 135. Mit Grob Aerospace ist in Bayern als einer der weltweit führenden Systemhersteller für Trainingsflugzeuge in Tussenhausen-Mattsies ansässig.
Bayern ist zudem ein bedeutender Airbus-Standort. Wichtige Bauteile für die Airbus-Familie und andere Flugzeuge stammen aus dem Freistaat. So fertigen bayerische Unternehmen zum Beispiel Fahrwerke, Turbinen, Ver- und Entsorgungssysteme sowie Kabinensysteme.
Wichtige Raumfahrtunternehmen wie Astrium, MT Aerospace und Kayser-Threde (beide Bestandteile des OHB Konzerns) haben ihren Sitz in Bayern. Wesentliche Bauteile für die europäische Trägerrakete ARIANE stammen aus bayerischer Produktion - etwa die Feststoff-Booster oder die Schubkammern aller Ariane 5 Flüssigantriebe (Aestus und Vulcain). Bayerische Firmen weisen zudem eine hohe Kompetenz in den Bereichen neue Materialien, Sensorik, Flugelektronik und Energieversorgung auf.
Attraktives Forschungsumfeld für Luft- und Raumfahrt
Eine breit gefächerte Forschungsinfrastruktur bietet der industriellen Luft- und Raumfahrt in Bayern herausragende Rahmenbedingungen. Eine bedeutende Forschungseinrichtung ist etwa das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Das DLR fungiert seit Februar 2008 als Missions- und Kontrollzentrum für Columbus, das europäische Labor der Internationalen Raumstation (ISS). Das DLR betreut auch das ebenfalls in Oberpfaffenhofen ansässige Galileo Kontrollzentrum (GCC), das nach der erfolgreichen Testphase nun auch die Langzeitsteuerung des europäischen Satellitenprojekts Galileo übernehmen wird. Das Galileo Test and Development Environment (GATE) in Berchtesgaden ermöglicht den Test von Galileo-Applikationen unter realen Bedingungen. GATE wird ebenfalls vom DLR in Oberpfaffenhofen aus gesteuert.Derzeit unterhält das DLR acht Institute in Bayern:
Ein neues Zentrum für Leichtbau des DLR wird im Jahr 2013 in Augsburg eröffnet werden.
Zudem forschen Wissenschaftler im Bereich Luft- und Raumfahrt an 12 Hochschulen in Bayern wie der TU München, der Universität der Bundeswehr in Bayern, den Fraunhofer Instituten in München, Erlangen und Würzburg, an den Max-Planck-Instituten für Astrophysik und für extraterrestrische Physik und am European Southern Observatory (ESO) in Garching. Darüber hinaus haben bedeutende Unternehmen der Branche große Forschungszentren in Bayern angesiedelt, zum Beispiel General Electrics (GE) und EADS. Zudem weisen die bayerischen Firmen hohe Forschungsintensität und –investitionen auf: der F&E-Anteil liegt bei 19 Prozent vom Umsatz. Bundesweit sind es um die 15 Prozent.
Qualifizierte Arbeitskräfte für Luft- und Raumfahrt
Ausbildung in Spitzentechnologien wird in Bayern groß geschrieben. Im Freistaat stehen fünf renommierte Ausbildungsstätten für den technischen Nachwuchs im Bereich der Luft- und Raumfahrt zur Verfügung: Die Technische Universität München (mit alleine sieben relevanten Lehrstühlen), die Universität Erlangen-Nürnberg, die Universität Würzburg, die Universität der Bundeswehr Neubiberg (Fakultät für Luft- und Raumfahrt, Institut für Geodäsie und Navigation) und die Hochschule München (Abteilung für Flugzeugtechnik) eröffnen Nachwuchskräften ausgezeichnete Lernbedingungen.
Zuletzt wurde im Jahr 2010 die gemeinsam von der TU München, der Universität der Bundeswehr, dem Bauhaus Luftfahrt und dem DLR getragene Fakultät „Munich Aerospace“ ins Leben gerufen. Angestrebt werden 55 Professuren, die in integrativer Weise industrielle Forschungs- und Fertigungskompetenzen mit in ihre Lehrtätigkeit aufnehmen sollen. Die Fakultät wird mit Mitteln des Bayerischen Wissenschafts- und des Bayerischen Wirtschaftsministeriums gefördert.
Der Freistaat Bayern hat seit 1990 mehrere hundert Millionen Euro für die Luft- und Raumfahrtforschung bereitgestellt. Diese Mittel fließen hauptsächlich in Verbundforschungsprojekte und stärken die Zusammenarbeit der verschiedenen Luft- und Raumfahrtunternehmen in Bayern.
Seit Anfang 2006 fördert das Bayerische Wirtschaftsministerium im Rahmen der Clusteroffensive die Plattform bavAIRia e.V.. BavAIRia verfolgt primär das Ziel, die Branche am Standort wettbewerbsfähig zu halten, unter anderem durch die Vernetzung von Industrie und Forschung sowie durch die Unterstützung für Firmen, in internationalen Märkten Fuß zu Fassen.
www.bavAIRia.net
„Bauhaus Luftfahrt“ heißt die 2005 ins Leben gerufene Ideenschmiede, in der Visionen und Zukunftsthemen der Luft- und Raumfahrt vorausschauend diskutiert werden. Der Verein wurde in Anlehnung an die weltberühmte deutsche Kunstschule Bauhaus von drei Vorreiterfirmen der bayerischen Luftfahrt (EADS, MTU Aero Engines, Liebherr-Aerospace) in Kooperation mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium gegründet. Sie ist darauf gerichtet, die Akteure der Luft- und Raumfahrt weiter zu vernetzen und Kooperationen voranzubringen.www.bauhaus-luftfahrt.net
Die bayerischen Flughäfen stellen der weltweit vernetzten Luft- und Raumfahrtindustrie eine ausgezeichnete Infrastruktur bereit: Der Flughafen München zählt zu den dynamischsten Europas und gewann 2010 den World Airport Award für Europas besten Flughafen.
Mit dem Verkehrsflughafen Nürnberg sowie einer Vielzahl von Regionalflughäfen bietet der Freistaat optimale Bedingungen für einen raschen und effizienten Gütertransfer und problemloses Reisen.
Spezialflughäfen wie der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen und der Testflughafen Manching gewährleisten darüber hinaus ein optimales Forschungsumfeld für Testflüge.