Martin Langewellpott, Brasilien
Bayern hat seit Mitte der neunziger Jahre ein weltweites Netz von Auslandsrepräsentanzen aufgebaut. In ihren Büros von San Francisco bis Tokio werben Experten unter dem Motto „Invest in Bavaria“ für den Wirtschaftsstandort Bayern. Die über 20 Frauen und Männer vermitteln Kontakte in ihre ferne zweite Heimat, stehen aber auch bayerischen Unternehmen als deutschsprachige Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung.
Ihr Lieblingsort in Bayern?
Regensburg, wenn man mit brasilianischen Gästen am Donaustrand mit Blick auf die Altstadt ein kühles Weißbier genießt. Die brasilianischen Unternehmer bescheinigen mir dann, dass es damit höchstens der Strand von Ipanema samt Caipirinha aufnehmen kann.
Eine bayerische Figur, die Sie besonders verehren?
Der Erlanger Philipp von Martius mit seinen Verdiensten um die Erhebung der brasilianischen Flora und Fauna. Zum anderen die bayerische Prinzessin Amalia Auguste von Leuchtenberg, die als zweite Frau des brasilianischen Kaisers Dom Pedro I. Kaiserin von Brasilien war.
Welches Argument zieht immer, wenn Sie einen brasilianischen Unternehmer für eine Investition in Bayern gewinnen möchten?
Bei brasilianischen Unternehmern ist ausschlaggebend, dass Bayern ein europaweit führendes IT-Cluster bieten kann. Aber auch die sogenannten Softfactors spielen eine Rolle: In München können wir mit einem brasilianischen Kindergarten, dem Bayern-Büro der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft und mit dem Brasilianischen Generalkonsulat auftrumpfen.
Gibt es Ihrer Ansicht nach eine besondere bayerische Mentalität?
In Bayern gibt es eine gesunde Mischung aus „Mir san mir“ und „Leben und Leben lassen“.
Welches Bild haben Ihre Kunden von Bayern?
Nachdem im Süden Brasiliens, wo viele Deutsche in die Stadt Blumenau gezogen sind, das zweitgrößte Oktoberfest gefeiert wird, besteht hier das Klischee vom lederbehosten, trinkfesten Bayern, der sich von Bier und Würstchen ernährt.
Ihre Ratschläge: Was sollte ein brasilianischer Investor unbedingt vermeiden, wenn er in Bayern ist?
Er sollte zur ausgemachten Zeit und gut vorbereitet zu Terminen kommen.
Was sollte er auf jeden Fall tun?
Sofern er im Winter kommt, sollte er vorher einen Mantel kaufen.
Welche Besonderheiten wiederum erwarten bayerische Unternehmer in Ihrem Land?
Wer Geschäftschancen wahrnehmen will, braucht einen langen Atem und ein gewisses Maß an Geduld.
Kennen Sie einen bayerischen Fluch?
An meinem extrabajuwarischen Nachnamen erkennt man sicher, dass es sich bei mir um einen indirekt über Brasilien zugereisten deutschen Beute-Bayern handelt. Daher ist mir das brasilianische sehr facettenreiche Fluchspektrum geläufiger als der bayerische Fundus.
Wissen Sie, was ein Schneiztiache und ein Fuizpantoffe sind?
Ich denke, ich liege mit Taschentuch und Hausschuh nicht falsch.
Fragebogen: Ulrike Heidenreich / Süddeutsche Zeitung

