Lucie Merkle, USA - West Coast
Bayern hat seit Mitte der neunziger Jahre ein weltweites Netz von Auslandsrepräsentanzen aufgebaut. In ihren Büros von San Francisco bis Tokio werben Experten unter dem Motto „Invest in Bavaria“ für den Wirtschaftsstandort Bayern. Die über 20 Frauen und Männer vermitteln Kontakte in ihre ferne zweite Heimat, stehen aber auch bayerischen Unternehmen als deutschsprachige Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung.
Ihr Lieblingsort in Bayern?
Der Gipfel der Kampenwand bei schönem Wetter – allerdings nicht unbedingt an einem Wochenende im Juli, wenn dort zu viele Menschen sind.
Eine bayerische Figur, die Sie besonders verehren?
Selbst nach langem Überlegen fällt mir keine Figur ein, für die ich das Verb „verehren“ verwenden würde.
Welches Argument zieht immer, wenn Sie einen ausländischen Unternehmer für eine Investition in Bayern gewinnen möchten?
Geld! Das heißt in unserem Fall natürlich vorwiegend Geschäftsmöglichkeiten. Für ein US-Unternehmen hat Bayern genau dann eine gute Chance als Investitionsstandort, wenn es bessere Rahmenbedingungen für seine Geschäfte bietet als andere Regionen und sich das mittelfristig auch in der Bilanz niederschlägt. Erst an zweiter Stelle kommen dann Argumente wie die Lebensqualität.
Gibt es Ihrer Ansicht nach eine besondere bayerische Mentalität?
Bayern sind besonders fleißig, zuverlässig und hochinnovativ. Ansonsten fällt mir noch diese sehr spezielle Art einer nicht unfreundlich gemeinten, generellen Grantigkeit ein, die man nur bei Bayern findet – gerade wenn man an den Umgang mit den ständig freundlichen Amerikanern gewöhnt ist.
Welches Bild haben Ihre Kunden von Bayern?
Oft steht Bayern für Bier, Lederhosen und Oktoberfest. Viele Amerikaner, mit denen wir zusammenarbeiten, wissen jedoch durchaus, dass Bayern auch ein High-Tech-Standort ist, an dem man Tradition, Spaß und Business hervorragend verbinden kann.
Ihre Ratschläge: Was sollte ein ausländischer Investor unbedingt vermeiden, wenn er in Bayern ist?
Im Hofbräuhaus Weißwürste mit Sauerkraut zu bestellen.
Was sollte er auf jeden Fall tun?
Er sollte nicht nur arbeiten, sondern auch die Freizeitaktivitäten und Kulturangebote in Bayern nutzen. Und natürlich gut essen und trinken!
Welche Besonderheiten wiederum erwarten bayerische Unternehmer in Ihrem Land?
Gerade in der San Francisco Bay Area oder im Silicon Valley kommt fast jeder aus einem anderen Teil der USA oder der Welt. Dies hat den großen Vorteil, dass man als Ausländer eigentlich kaum Integrationsprobleme hat. Für den Unternehmer ist wichtig zu wissen, dass es seinem Partner in den USA ums Business geht und er auch sehr schnell zur Sache kommt. Langwierige Höflichkeitsbesuche wie man sie aus Asien kennt, kann man insbesondere an der US-Westküste getrost vergessen.
Kennen Sie einen bayerischen Fluch?
Ja, selbstverständlich. Grund zum Fluchen gibt es schließlich überall auf der Welt und dann erinnert man sich an seine bayerischen Wurzeln.
Wissen Sie, was ein Schneiztiache und ein Fuizpantoffe sind?
Ich musste ein bisschen überlegen aber dann fiel es mir wieder ein. Wenn man sie hört, ist es auch viel leichter, als wenn man diese Wörter liest.
Fragebogen: Ulrike Heidenreich / Süddeutsche Zeitung

